Chrom aus der Pistole

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Dieser Beitrag soll als Ergänzung zu „Chromeffektlack“ des Menüpunktes „Was wir machen“ verstanden werden, denn er beschäftigt sich mit den Problemen des Materials an sich und der Verarbeitung von chromglanzerzeugenden Produkten. Auf andere Möglichkeiten, wie das altbekannte Galvanisieren, Bedampfen mit Chrom oder Verspiegeln mit Silberlösungen möchte ich hier nicht eingehen. Ich denke, dass es da genügend im WorldWideWeb nachzulesen gibt. Auch habe ich mich mit der Verspiegelungstechnik befasst, da sie einen besseren Effekt als alles Chromlackiertes ergibt. Jedoch wurde die Anschaffung einer dafür notwendigen  Anlage schnell wieder verworfen. Zu hoch die Anschaffungs- und laufenden Kosten (Material), zu gering die Nachfrage der Kunden. Bleiben wir deshalb bei den Lacken und kommen zur Definition:


Was sind Chromeffektlacke?

   

Chromglanz erzeugende Farben sind Basislacke, die sehr feine Aluminiumpigmente enthalten. Der  lautstarken Lackherstellerwerbung zufolge sollen sie zu 90-95% an den Spiegelglanz des echten, galvanisch erzeugten Chromes herankommen. Das nebenstehende Foto zeigt den Vergleich. Chromlacke bestehen im Wesentlichen aus den drei wichtigsten Ingredienzen:

  • Bindemittel (Harze, die den Film bilden und für Haftung sorgen),
  • Effektpigmente (Aluminiumplättchen für die Effektausbildung) und
  • Lösemittel (für Verarbeitungs- und Ausspanneigenschaften verantwortlich)

Der Unterschied zu „normalen“ Metallics ist die Größe der Aluminiumplättchen. Die sind so fein, dass sie mit bloßem Auge nicht mehr wahrgenommen werden sollen. Ein weiterer Differenzierungspunkt ist, dass diese Basecoats eine extrem niedrigviskose Einstellung brauchen, um verarbeitbar zu sein. Sie kommen in den Handel spritzfertig - eben schon hochverdünnt. Da laufen Namen wie MirrorChrome, Chrome Touch, VICROM, Chrom Nah, Chromspiegel, Starchrome III usw.. Für den Fachmann ist die Cleverness der Lackproduzenten offensichtlich. Verdünnungs- und Lösungsmittel sind im Vergleich zu Pigmenten extrem preiswert. Bei einem geschätzten Lösemittelanteil von 95% kosten diese Farben ein Heidengeld.

Aber das wäre vielleicht noch egal, wenn nur das Ergebnis O.K. wäre! Bei den meisten Anbietern ist es aber nicht so!!!

  Chromvergleich Effektlack zum Motorrad


Minderwertiges Material im Handel

 

Ich möchte an dieser Stelle wahrheitsgetreu anführen, dass das meiste Material, was im Markt angeboten wird, keineswegs den Versprechungen gerecht wird. Dabei aber für ein horrendes Geld feilgeboten wird!!!


Umfangreiches Procedere
an Zeit und Material

Das Verfahren an sich ist extrem aufwendig und bei aller Achtung vor Ihrem handwerklichen Können absolut nichts für Laien, zumal in den seltensten Fällen das nötige Equipment, wie eine Lackierkabine mit Feinstaubluftfilterung vorhanden ist. Es setzt akribisch korrektes Arbeiten, absolute Sauberkeit, eben makellose Flächen voraus. Chromeffektlack wird auf ungeschliffenes 2K-Hochglanzschwarz appliziert. Je glatter, d.h. je weniger Orangenhaut das Glanzschwarz aufweist, umso schöner der spätere Chromglanz. Der Effektlack selbst ist dermaßen fein pigmentiert, dass selbst kleine Staubteilchen im schwarzen Vorlack belassen werden müssen, da sich jegliche Berührungen im späteren Chromeffekt abzeichnen. Versuche haben gezeigt, dass sogar Hochglanzpolieren des Glanzschwarz-Lackes später sichtbare Spuren aufweist – dieser Vorlack muss also unbedingt jungfräulich bleiben!

  Kunstwerke mit Chromlackbeschichtung

Chromeffekt zu spritzen ist nicht so einfach, wie es die Prospekte beschreiben. Sehr feine Düsen und gleichmäßiger dünner Auftrag sind Grundvoraussetzungen, denn das Zeug neigt extrem schnell zu Wolkenbildung. Fast trockene Beschichtung ist gefragt.  Im Verarbeitungsblatt der „lackboerse“ spricht man gar vom „Stäuben“!!! Und drei bis vier Schichten reichen meist nicht, die genügende Helligkeit zu erreichen. Nach dem „Stäuben“ hat man in der Regel einen schönen Spiegelglanz vor Augen, der bei manchen Herstellern sogar noch durch feines Abreiben mit sauberen Mikrofasertüchern aufgewertet werden kann. Der Lacker freut sich! Vielleicht zu früh....


Die Entscheidung über
Erfolg oder Desaster

   

bringt die nächste Applikation.  Merke: Der Chromeffektlack ist ein mit einer Art Testbenzin verdünnter Basislack und dementsprechend sehr empfänglich für Anlösungen und damit Aufschwimmen seiner Pigmente durch nachfolgende Lasuren oder Klarlacke. Deshalb wird auch bei einigen Anbietern ein wasserbasierender Absperrlack vorgeschrieben. Neuerdings, so ab 2009, werben einige Chromlack-Produzenten, dass bei Ihren Materialien nun auf diesen Absperrlack verzichtet werden kann. Fakt jedoch ist und bleibt: Schon die kleinste Anlösung kann den gleichmäßigen brillanten Spiegeleffekt zunichtemachen, da sich die Pigmente dann regelrecht in tausenden kleinen „Tröpfchen“ zusammenballen oder einfach in die nachfolgende Schicht diffundieren können und dann bestenfalls noch wie eine extrem feine Metallic-Lackierung ausschauen. Der Spiegeleffekt ist dahin!

In Berücksichtigung dieser Gefahr sagt uns die Logik: Es muss ein Überzugslack her, der möglichst wenig Lösemittel enthält. Und gerade DAS ist das Problem, sind doch fast in jedem Lack irgendwelche Lösemittelanteile vorhanden, um gute Verarbeitbarkeit und Verlauf zu gewährleisten. Zurzeit kommen da eigentlich nur wasserbasierende Bindemittel oder Klarlacke in Frage, die aber leider auch noch, zwar andere, aber eben Lösemittelanteile enthalten. Auch lösemittelarme UV-Lacke haben sich da noch nicht bewährt, wie wir in Versuchen selbst getestet haben. Ebenso gilt das für die Binder aus den Mischmaschinen der bei uns verwendeten Wasserbasislacke. Jedoch bleiben wir da dran. Auf diesem Gebiet wird man noch monatelang weiter experimentieren können.

Im nebenstehenden Bild sehen Sie Chromeffektlack im Vergleich. Der etwas bessere Effekt ist rechts zu sehen und wurde mit Starchrome III evo der „lackboerse“ erreicht.

  Vergleich zweier Chromefektlacke von unterschiedlichen Anbietern


Ein vorläufiges Schlusswort

Chromeffekt in Lackiertechnik herzustellen wird in etlichen Internetforen heftig diskutiert. Bislang gelingt es keinem Hersteller von Chromeffekt-Basecoat-Materialien, einen zu galvanisch behandelten Teilen völlig analogen Effekt zu erreichen. Hinzu kommen immer wieder angesprochene Haftungs- und Effektverlustprobleme, die nach einem längeren Zeitpunkt auftreten können. Da das Lackierverfahren von Chromeffekt beim Fehlen einer ganz besonderen Verarbeitungssorgfalt ein sofortiges Negativresultat ergibt, ist die Lösung solcher Probleme stets zweifach zu suchen: In den Umständen der unbedingt einzuhaltenden Verarbeitungsvorschriften, aber auch in den Schwächen der derzeitig angebotenen Materialien. Für das Verfahren unumgängliche Merkwürdigkeiten fallen auf:
  • Nur eine Applikation des Chromeffekts auf ungeschliffenen Hochglanzlack gewährleistet eine möglichst hohe Nähe zum Chrom-Look. Jedoch: Etwas auf ungeschliffene Flächen zu lackieren widerspricht eigentlich jeder Lackiererregel!
  • Der extrem dünne Auftrag und die leichte Anlösbarkeit des Effektmaterials! Auch mit vom Hersteller bezogenem Absperrlack geht die Brillanz leicht zurück.
  • Und - was ich selbst allerdings noch nicht beobachten konnte - der Effektverlust im Nachhinein, der eigentlich nur durch spätere Oxidation der feinen Metallpigmente entstehen kann.

Das letzte Problem kann vielleicht durch eine zweite Klarlackschicht aufgehalten werden. Sicherlich werden im Laufe der nächsten Jahre noch einige Verbesserungen der Materialien und Verfahrenstechnik zu erwarten sein. Wir jedenfalls sind auf der Lauer....

  

Aktueller Stand

Da wir unseren Kunden eine Arbeit liefern möchten, von deren Aussehen und Qualität wir selbst überzeugt sind, möchten wir uns von der Chromeffektlackierung bis auf Weiteres verabschieden. Die problematische Anlösbarkeit führt immer zu einem leichten Nachlassen der Brillanz (verglichen mit echtem Chrom), auch wenn wir mittlerweile ein Verfahren gefunden haben, eine hauchdünne Sperrschicht mit einem möglichst lösemittelarmen Material zu applizieren. Hinzu kommt die Untauglichkeit von Chromeffektlack für große Flächen. Und letztlich ließen uns Ablösungen des laut Verarbeitungsvorschrift auf ungeschliffenen Untergrund gespritzten Chromeffekts an Felgen ein Fazit ziehen: Wir haben einfach keine Lust mehr auf diesen zeit- und geldintensiven Quatsch, der einfach nicht optimal ist.

Zumal es ein Verfahren gibt, dass in Aussehen und anscheinend auch in Haltbarkeit wesentlich besser ist - die Verspiegelung. Da in unserem von Reparaturen geprägten Alltag dieses Verfahren nicht reinpasst, verweisen wir auf eine Adresse in unserer Nähe. Sie heißt „TiTo concept“!

P.S. Sollten Sie jedoch bessere Erfahrungen mit Chromeffektlack gemacht haben, freuen wir uns über aufklärende Info, indem Sie uns mal schnell 'ne Mail zukommen lassen. Danke schon mal im Voraus!

  

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