Fingerspitzengefühl gefragt - Kratzer und Schrammen entfernen

Schrammen im Lack! Schnell schwant einem schon das Riesenloch im Portemonnaie und man sieht sich argwöhnisch im Kreise vermeintlicher Fachleute um, die alles nur Ihr Bestes wollen – Ihr Geld. Doch...


Muss immer alles gleich lackiert werden und wenn ja, wie viel?

            Das 3M Roloc-Polier-Set

Nun, den Selbsttest, ob ein Schrämmchen durch Schleifen und Polieren beseitigt werden kann, habe ich im Artikel „Unsere Arbeit – Kratzer und Schrammen beseitigen“ eingehend beschrieben.
Bevor Sie nun selbst Hand anlegen und den streifigen Lackbeschädigungen mit Schleifpapier und Politur zu Leibe rücken, sollten Sie sich über einige Fakten im Klaren sein.
Eine Klarlackschicht ist lediglich zwischen 40 und 60 µ dick. Oder anders: 40-60 Tausendstel Millimeter, das ist verdammt wenig!
Schleifen Sie durch und berühren die unterliegende Pigmentpackung, bleibt nur das Lackieren als Reparaturweg. Ob ganzflächig oder als Spotrepair, also stelleweises Anlackieren, das hängt von der Größe und nicht zuletzt der Lokalisation der Lackbeschädigung ab. Unilacke als 1-Schichtlackierungen können beim Verschleifen schnell zu Farbveränderungen neigen, da Sie deckende Farbpigmente abtragen. Der Grund bzw. Füller könnte dann durchscheinen.


Was brauche ich

  • Naßschleifpapier P1000 bzw. 1500, P2000 und empfehlenswert ein Stück P3000
  • Schwamm
  • Ein Mikrofaserpoliertuch
  • Für bessere Ergebnisse ein Polierset für die Bohrmaschine, bestehend aus einem Stützteller, einem Schaumstoffträger und dem Schaumpolierteller selbst (alles Ø75mm)
  • Ein Akkuschrauber mit ca. 2000 U/min oder gleichwertige Bohrmaschine
  • Eine Schleifpolierpaste, bewährt hat sich hier bestens die 3M Finesse-it™ Schleifpaste

Wie gehe ich vor

  • Je nach Tiefe und Größe der Schrammen mit P1000 oder 1500 diese verschleifen (im Schnitt sollten etwa 20 Hin- & Herbewegungen genügt haben, sonst besteht die Gefahr des Durchschleifens)
  • Immer wieder Fläche trocken wischen, um den Fortschritt der Schleifarbeit beurteilen zu können
  • Stützteller in Bohrfutter spannen, Schaumstoffträger mit Viertelumdrehung aufsetzen (beide Teile erwerben Sie nur einmal, da lediglich der nachfolgende Polierschaumteller langzeitlich mal erneuert werden muss)
  • Polierschleifteller aufkletten (dieser ist austauschbar, jedoch bis zum Erneuern können Sie ihn vielfach mit Seifenwasser auswaschen und verwenden
  • Ein paar Tropfen 3M Finesse-it™ Schleifpaste auf die matt geschliffene Lackfläche träufeln (viel hilft hier nicht viel, weniger ist da mehr)
  • Polierscheibe ansetzen und vor dem Einschalten der Maschine den Tropfen leicht verreiben , um ein Wegspritzen zu vermeiden
  • Maschine einschalten und Polierscheibe mit leichtem  Druck über die matte Fläche führen, ca., 8 Sekunden lang
  • Vorgang mit Politur und Maschine ein- bis zweimal wiederholen
  • Mit Mikrofasertuch blank reiben, Poliermittelreste entfernen
  • Etwas Konservierungswachs kann nicht schaden

Bei manchen Schrammen empfiehlt es sich, diese zuvor mit Klarlack oder pigmentiertem Material aufzufüllen, nach Aushärten dieses zu verhobeln bzw. zu verschleifen. Diese filigrane Arbeit ist nicht in jedem Fall anwendbar, garantiert auch nicht immer tolle Ergebnisse und sollte wegen der fachkundlich geforderten Voraussetzungen auch eine Tätigkeit für Lackfachleute bleiben.

Wie weit geschliffen werden kann, bis die Schrammbeschädigung komplett unsichtbar ist, bleibt ein einzukalkulierendes Risiko. Der Lackierer ist da schon etwas besser dran. Er hat solche Arbeiten schon öfters gemacht und kann mit einem Schichtdickenmesser den Schleifabtrag kontrollieren und überwachen. Jedoch ist auch er nicht gegen Überraschungen gefeit, z.B. wenn der Lackauftrag noch dünner ist, als erwartet, weil dort vielleicht schon einmal geschliffen und poliert wurde. Und wenn Sie schon selbst dran waren, weiß die nachfolgende Person auch nicht, in welchem Umfang Sie schon Lack abgetragen haben….
Die Schlussfolgerungen aus diesem Artikel überlasse ich nunmehr Ihnen!

 
Schleif- und Polierutensilien

Bohrmaschine mit Roloc

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