Unsere Arbeit - Klimaanlagen warten und desinfizieren

Sie alle kennen die Situation. Auto in der prallen Sonne geparkt.
Sommer - 35°C im Schatten!!! Daumendruck auf die Fernbedienung, Tür auf: Wuff, schlägt Ihnen ein Schwall heißer Luft wie aus 'nem Backofen entgegen. Schön aufgeheizt, das Teil! Drinnen sind’s bestimmt an die „fuffzich“ Grad. Alsbald kommen Sie ins Schwitzen. Geben Sie's zu...


Am liebsten wären Sie jetzt in Alaska...

                      Husky Tour Finnland - Open Range

Die Klimaanlage Ihres Autos produziert zwar keine Schneeflocken, bringt aber schnell den Innenraum auf gewünschte Temperatur. Sie können sich relaxt dem Verkehrsgeschehen widmen. Aber auch in allen anderen Jahreszeiten ist eine Aircondition nützlich. Der Heizung zugeschaltet, entfeuchtet sie die ins Fahrzeuginnere strömende Luft durch den Abkühlungsprozess. Damit erhöht sich wiederum deren Vermögen, neue Feuchtigkeit zu speichern - nämlich die, welche innen an den Fensterscheiben haftet. Und so befreit eine Klimaanlage in Verbindung mit aufgeheizter Luft auch an nasskalten Tagen die Fahrgastzelle sehr viel schneller von Kondenswasser.

Schlecht, wenn so ein Kühlsystem nur mit halber Leistung fährt und noch schlechter, wenn es eines Tages nicht mal mehr anspringt! Deshalb:

  

Alle ZWEI Jahre zur Klimawartung

Die Klimaanlage wird im Wartungsgeschehen meist sehr stiefmütterlich behandelt. Dabei sollte sie mindestens alle zwei Jahre auf Herz und Nieren geprüft werden!

Gründe für eine Klimawartung!

  • Die Moleküle des hierzulande verwendeten Kältemittels „R134a“ sind so klein, dass sie durch das Schlauchmaterial der Anlage mit der Zeit diffundieren und "verdunsten". Es wird weniger im System. Etwa 10-20% im Jahr. Nach schon zwei Jahren kann die Kühlleistung schlechter werden!
  • Umgekehrt reichert sich Feuchtigkeit im Kreislauf der Aircondition an, denn auf Grund der starken wasseranziehenden Eigenschaft (Hygroskopie) des R134a gelangt durch besagte Gummirohre auch H2Oins System.
  • Wasser im System bildet mit dem Klimakompressorenöl des Kältemittelgemisches Säuren. Und ist Grund für Korrosion, kann zur Vereisung innerhalb des Kreislaufes und Kompressorschäden durch „Wasserschlag" führen.
  • Beseitigung von Bakterien und Krankheitserregern im Lüftungssystem (Luftkanäle).

 

 




Hinweisschild Straße

Was wird gemacht?

  • Funktionsprüfung vor der Wartung
  • Sichtprüfung der Bauteile, z.B. Scheuerstellen, Korrosion an Kältemittelleitungen u. Kondensator
  • Antriebsriemen: Zustand, ggf. erneuert (Herstellerangaben), Spannung *
  • Anschluss des Servicegerätes
  • Absaugen des Kältemittels
  • 0-Ringe der Verschlussstopfen der Wartungsanschlüsse kontrolliert.
  • Evakuieren des Kältemittelkreislaufes
  • Erneuerung des Innenraumfilters (Pollenfilter) - jährlich **
  • Austausch der Trocknerflasche - alle zwei Jahre ***
  • Dichtheitsprüfung durch Unterdruck
  • Kältemittelöl ergänzen,  je nach Anlage 10 bis 30 cm³)
  • Wiederbefüllung der Anlage mit R134a (Füllmenge nach Herstellerangabe)
  • Prüfung der Drücke und Ausströmtemperaturen
  • Verdampfer und Luftkanäle desinfizieren mit Ultraschall **** 

*       Erneuerung auf Wunsch und nach Teilebestellung
**     Auf Wunsch
***   Empfohlen, aber auf Wunsch (Selbsteinschätzung - ständige Einhaltung der
        Wartungsintervalle verringern auch die Sättigung des Trockenmittels)
**** Empfohlen, extra in Auftrag geben!

 

  Sun-Klimagerät um 2012

Warum ein Wechsel der Trocknerflasche?
      
Die oben erwähnte, sich ansammelnde und für die Klimaanlage so schädliche  Feuchtigkeit im System wird durch ein in der Trocknerflasche enthaltenes wasserbindendes Granulat aus Silicagel gebunden. Irgendwann ist aber der Sättigungsgrad dieses Mittels erreicht und die Filterwirkung nicht mehr gegeben – die schädlichen Einflüsse des Wassers im Klimaanlagenkreislauf beginnen zu wirken. Da mit normalen Werkstattmitteln ein Prüfen der Saturation nicht möglich ist, empfiehlt es sich schon rein prophylaktisch, die Trocknerpatrone bei einem Klima-Service-Termin mit austauschen zu lassen.

   

Jährliche Desinfektion des Verdampfers
und der Lüftungskanäle

Weshalb Desinfizierung der Anlage?
       
Häufig leiden Autofahrer nach Gebrauch ihrer „Air Con“ an Halsschmerzen, tränende Augen und Schnupfen. Die Schleimhäute sind gereizt. Man begründet diese Symptome meistens mit eigener Schuld: „Zu kalte Einstellung“. Was sicherlich auch so manches Mal seine Richtigkeit hat.         
     
Eine weitere Ursache jedoch, über welche die wenigsten Bescheid wissen bzw. sich Gedanken machen, ist die Bakterienbildung auf dem Verdampfer und in den Lüftungskanälen des Fahrzeuges. Die in der warmen Frischluft gebundene Feuchtigkeit scheidet sich beim Einströmen in den Fahrgastraum an den eiskalten Oberflächen des Verdampfers der Klimaanlage (Kältetauscher) ab. Mitgeführter Staub und Pollen bleiben an den feuchten Oberflächen gut haften. Bei mitunter bis zu 300 m³ Luftdurchsatz pro Stunde keine unbeträchtliche Menge!         
Ideale Lebensbedingungen und Nährstoffe für Bakterien, Algen und Pilze. Diese gelangen mit der heruntergekühlten Luft via Luftkanäle in Fahrzeuginnenraum, wo wir sie, manchmal ohne es zu ahnen, einatmen. Im schlimmsten Fall bemerken Sie, lieber Autofahrer, den desolaten Zustand Ihrer AC an penetrantem Schweißfüße-Duft – obwohl Sie doch selber gar keine haben….
 

Aircomatic

Verschiedene Verfahren werden angeboten. Von diversen Schaumsprays bis zum Ultraschallgerät. Die letztgenannte Methode bevorzugen wir, denn ALLE lüftungsrelevanten Einrichtungen werden im Umluftmodus „durchflutet“. Die angenehm frisch riechende Desinfektionslösung kommt halt ÜBERALL hin und
  • desinfiziert und tötet Mikroben, Pilze und Bakterien ab
  • verhindert allergische Reaktionen
  • beseitigt muffigen Geruch, auch Nikotin, durch o.g. Wirkungen
   

Damit Sie auch NACH Alaska gesund bleiben…  

                      Finnland um Äkäskero


P.S. Ein paar Worte zum Alternativ-Kältemittel R1234yf

Einst löste R134a (Tetrafluorethan) das die Ozonschicht gefährdende R112 (ein Fluorchlorkohlenwasserstoff FCKW) ab. Und es schien, als seien ein für alle Mal die Umweltprobleme mit den Refrigerants (Kältemittel) vorbei. In den letzten Jahren jedoch gelangt die globale Erwärmung mehr und mehr in den Focus von Umweltschützern und Gesetzgebern. Heute spricht man vom GWP, dem Greenhouse Warming Potential (Treibhauspotential), unter dessen Aspekt das ozonfreundlichere R134a (GWP 1430), man glaubt es kaum, 1430-mal stärker zum Treibhauseffekt beiträgt als CO2, welches den Wert 1 belegt!

Seit etwa Anfang 2011 ist in der Fahrzeugherstellerindustrie nun die Rede von R1234yf (auch Solstice™ yf genannt), einem Tetrafluorpropen mit einem GWP-Wert von nur 4 (laut Angaben der Hersteller DuPont und Honeywell). Das berühmte Haar in der Suppe: R1234yf gilt als hoch entzündlich und, wenn es mal brennt, extrem gesundheitsgefährdend durch die Bildung von giftigem Fluorwasserstoff und damit Flusssäure.

Angst geht um

Nicht verwunderlich, dass in den Medien ein Riesentrara um das neue Kältemittel gemacht wird. In Sensationsmasche unserer Zeit wird Panik zu machen versucht. Dass Flusssäure extrem gefährlich ist, möchte ich keineswegs bestreiten. Jedoch – wann brennt mal ein Unfallauto und wenn dann, wann kommt es zur Entzündung austretenden Klimamittels und damit zum Entstehen des für die Säurebildung notwendigen Fluorwasserstoffs (HF)? An freier Umgebungsluft ist ohnehin eine Verflüchtigung zu erwarten. Bliebe lediglich ein im Fahrgastraum eingeschlossenes Unfallopfer und dort eintretendes HF.

 

Die Realität

Ein Vortrag der Berufsgenossenschaft im Juni 2012 relativierte den „Tod durch die Klimaanlage“. Die hohe „Entzündbarkeit“ konnte man im Versuch nur mit längerer eindringlicher Flammenbestrahlung provozieren. Für die Brandausbreitung ist ein Wert von etwa 1,2 cm/s angegeben. Das entspricht einem dreiviertel Meter pro Minute! Wow, ist DAS aber schnell! Und schon mit einer wedelnden Zeitung soll man die Flammen zum Erlöschen bringen können. Wie viel Fluorwasserstoff bei der Verbrennung von R1234yf entsteht? Ich konnte keinen Hinweis auf die Menge finden….

In der Dezemberausgabe 2011 des Feuerwehrmagazins waren die Ergebnisse eines Versuchs des Deutschen Feuerwehrverbandes zu lesen (2015 aus dem Internet verschwunden). Auch der sah die damals neue Situation eher gelassen. In aktuelleren Ausgaben des Verbandes zitiert man nun doch Beiträge des ADAC und des Mercedes-Konzerns.
Interessanter wäre da die Frage nach Alternativen. Warum beispielsweise nicht CO2 favorisiert wird. Und warum gerade ausgerechnet zwei amerikanische Chemiekonzerne das offensichtliche Monopol zur Erzeugung von R1234yf haben, dessen Preis beim 10-fachen des gegenwärtigen 134a-Preises liegen könnte ….

Stand 2014/2015

Die Hysteriemache ist noch nicht vorbei. Noch im Juni 2014 wird in der Auto-Bild.de in provokanter Headline R1234yf als „Killer-Kältemittel“ betitelt und dessen Verbrennungsprodukt als „Kampfgas“ bezeichnet. Wow! Bekommen Sie jetzt nicht Angst? Jedenfalls sind die Sensationsjournalisten damals schon weiter als der Bundestag noch im Januar 2015 ist, welcher sich über ein von den Linken gefordertes Verbot von R1234yf immer noch nicht durchringen konnte. Aber noch haben wir Zeit. Erst ab Januar 2017 ist R134a europaweit mit einem Verbot belegt. Einigen Fahrzeugherstellern erscheint dieser Termin aus Kapazitätsgründen ohnehin nicht einhaltbar. Jedoch experimentieren auch einige inzwischen schon mit CO2. Man darf also neugierig in die Zukunft schauen.

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