Unsere Arbeit - Lehrlinge ausbilden und Praktikumplätze stellen

Der Handwerksmeister-Titel, welcher in unserer Firma gleich zweimal vertreten ist, befähigt und berechtigt uns, Lehrlinge im Beruf des Fahrzeuglackierers auszubilden. Diese Möglichkeit nutzen wir in kleinem Maßstab, aber konsequent, da wir eine moralische Verpflichtung unserer jungen Generation gegenüber empfinden. Viele heute vollwertige Fahrzeuglackierer gingen durch Gäbel's Betrieb. Einer davon, vor über fünfundzwanzig Jahren die Lehre begonnen, ist heute Meister und Geschäftsführer. Zwei weitere haben sich zu Spezialisten entwickelt, einer für Designer-Aufgaben, der andere im Karosseriebereich. Stets waren wir mit liebenswerten jungen Menschen gesegnet und der Abschied aus unserer an Arbeitsplätzen beschränkten Firma fiel uns jedes Mal richtig schwer.  


Berufswunsch Autolackierer?

Bei vielen Bewerbern für eine Lehrstelle stellte sich in Gesprächen, aber auch im Nachhinein, eine irrige Meinung und ein völlig verzerrtes Bild ihres zu erlernen beabsichtigten Berufes heraus. Manche hatten Vorstellungen wie zum Beispiel:

  • Da werden Autos und Motorräder bunt und glänzend gemacht.
  • Wir machen da ein bisschen Farbe auf die Autos. Ist doch super! Oder...
  • Da kann ich was über Airbrush lernen und später „geile“ Bilder auf meine Karre brushen.

Um das glorifizierte Trugbild des „Traumberufes“ richtigzustellen, widme ich dem Thema diesen Beitrag. Denn die „Kunst des Lackierens“ hat ganz andere Facetten, als nur mal mit'm Lappen drüber und Farbe rauf. Dass viele so geringschätzig denken, beweist ja die landläufige Meinung über staubverschmutzte, halbintelligente Schmuddeltypen, denen dass Schnüffeln am Verdünnungsfass lieber ist als ein niveauvoller Lebenswandel. Soweit ich, mit über 45 Jahren Berufspraxis, zurückdenken kann, spiegelt sich diese Einstellung wider. In einer lächerlichen Preispolitik der ehemaligen DDR und in von verschiedenen Instanzen ausgearbeiteten Arbeitszeitvorgaben der Gegenwart, die keinen Platz lassen für auf Details gerichtete Qualitätsarbeit. Es ist die Betrachtungsweise unseres Berufsstandes von vielen Kunden, denen das „bisschen Farbe raufmachen“ unverständlich viel zu teuer ist, und von Autohäusern, die teils exorbitanten Discount fordern.

Ich meine, ein junger Mensch mit Berufswunsch Lackierer sollte auch DAS von vorn herein wissen, nämlich welchen Stellenwert und Achtung ihm die Gesellschaft für seinen erwählten Job, der vielleicht ein Leben lang zu praktizieren angedacht ist, entgegenbringt. Allerdings soll das nun keine entgültige Entmutigung sein, denn unser Beruf hat auch schöne Seiten:

  • Wir vollbringen eine handwerkliche Leistung, die in dieser Qualität nicht jeder kann (obwohl viele Gegenteiliges behaupten).
  • Wir erarbeiten echte Werte mit unseren eigenen Händen und dem erworbenen Geschick.
  • Wir modellieren Kanten, Linien und Formen, wo vorher keine mehr waren.
  • Wir schaffen solche ebenen und makellosen Flächen, dass man sich sogar drin spiegeln kann.
  • Wir haben im Know-How um Montagearbeiten aufgrund der großen Fahrzeugtypenpalette ein umfangreiches Wissen.
  • Wir blicken abends auf ein Arbeitswerk, was wir anfassen und fühlen können. Und was sich in der Öffentlichkeit sehen lassen kann.
  • Wir können am Ende jedes Arbeitstages vor den Spiegel treten und uns ins Gesicht blicken, denn wir leisten eine ehrliche und bodenständige Arbeit.
  • Wir sorgen mit unserer Arbeit für die Zufriedenheit unserer Kunden, wenn sie mit einer unsichtbaren Reparatur vom Hof fahren.
  • Wir produzieren zeitweise auch echte Kunstwerke in Lack. Ich denke da z.B. an Schrift und Design.
  • Wir erfreuen uns an Farben und Effekten, die wir selber zu kreieren in der Lage sind. Und -
  • Wir sind ein tolles Team voller netter Kollegen, die Lehrlinge wie Ihresgleichen behandeln und voll in ihre Gemeinschaft integrieren.
  Mike am Schweller 2012


Tim Gesellenpruefung


Musste mitbringen

Ein guter Lackierer zu sein ist nicht ohne. Die tägliche Arbeit ist ein Knochenjob, sozusagen das Gegenteil von Computertasten tippen oder Chatten im WorldWideWeb. Als zukünftiger Lehrling solltest Du

  • von Hause aus ein ordentlicher Mensch mit Neigung zur Perfektion sein, denn die „Kunst des Lackierens“ verlangt von Dir äußerste Genauigkeit. Fehler oder Nachlässigkeiten in der Vorarbeit rächen sich erbarmungslos mit einem schlechten Arbeitsergebnis.
  • interessiert sein, Neues aufzunehmen und Dich in jeder Richtung, auch selbstständig, weiterzubilden. Denn oftmals lässt der Termindruck im täglichen Geschäft ein permanentes Zugegensein von Ausbildern nicht zu.
  • eine gute Auffassungsgabe besitzen, denn viele im Lackierhandwerk auftretende Fragen und Probleme lösen sich bei logischem Überlegen und Kombinieren von beispielsweise Materialeigenschaften.
  Lupo exhausted
  • eine gute Beobachtungsgabe haben, da Dir diese Dir beim „Abgucken“ hilft! Ja, Du hast richtig gelesen, bei UNS ist es anders als in der Schule. Hier ist der „Augenklau“ sogar erwünscht.
  • kein Weichei sein. Harte, solide Arbeit wird verlangt, bei der auch mal alle Knochen wehtun können,
  • Ausdauer mitbringen, denn die Vorarbeit und das Finish (Polieren) sind die Tätigkeiten, welche die meiste Zeit beanspruchen und oftmals recht monoton sein können.
  • rege an Problemlösungen mitarbeiten, Deine Meinung äußern und viele Fragen stellen, denn nur aus den Antworten kannst Du lernen.


„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“

war der Spruch, den mein „alter Herr“ zu zitieren pflegte, wenn mir mal'ne Arbeit total gegen den Strich ging.

Im Gegensatz zu meiner Lehrzeit vor über fünfundvierzig Jahren hat sich einiges geändert. Die Materialien sind in Qualität und ihrer Ver- und Bearbeitung um Welten besser geworden. Ihre Vielfalt ist unglaublich angestiegen und verlangt vom heutigen Lackierer weitreichende Kenntnisse über chemische und physikalische Besonderheiten. 

Der Spruch „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ gilt jedoch nach wie vor. Zwar muss ein Lehrling bei uns kein Bier holen, aber es fallen schon Arbeiten an, die wichtig für den Werkstattablauf sind, wie z.B. Reinemachen und Arbeitsplatzpflege. Darüber hinaus beginnt die Lehre meistens mit Schleifarbeiten. Langsam wirst Du an höherwertige Arbeiten herangeführt. Und nur selten kommst Du zum Lackieren an sich, denn der Star-Lackierer in der Kabine ist einer der gefragtesten Leute im Betrieb. Er zeichnet die „Handschrift der Firma“, welche so verkauft werden muss und ein Aushängeschild für die hier geleistete Qualität ist. Hinzu kommt, dass zweimal machen heute eine Menge Geld kostet!

Was wir nicht mögen, ist Herumdiskutieren über gestellte Arbeitsaufgaben und Respektlosigkeit, sowie die Benutzung des Handys in der Arbeitszeit. Und - wir haben was gegen notorische Zuspätkommer und Krankmacher. Bist Du Dir aller dieser Punkte bewusst, kommen wir zum Schlusspunkt.

  Yogis Lehrvertrag

Das Praktikum
Prüfstein für beide Seiten

   

Für Schulpraktika stellen wir von Zeit zu Zeit Plätze zur Verfügung, so, wie es die augenblickliche Arbeitauftragslage zulässt. Ein Praktikum ist aber auch für Interessenten einer Lehrausbildung von prägnanter Wichtigkeit. Es ist sozusagen

ein Schnupperkurs in den Berufsalltag

Hier kannst Du hautnah erfahren, ob der Beruf Dir wirklich Spaß macht oder eher alle Deine Illusionen über den Haufen geworfen werden. Im Gegenzug gibt Dein Wirken uns einen aufschlussreichen Einblick in Deine Person und befähigt uns Deine Berufstauglichkeit einzuschätzen. Denn es gibt wohl kaum was Schlimmeres, als einen Beruf zu erlernen, den man später sowieso nicht braucht....

  Enrico 2005

2015 - JA zu Europa -
Praktikum für junge Leute aus der EU

   

In vielen EU-Ländern sieht die Chance für eine Beschäftigung nach der Lehre recht bitter aus. Um jungen Menschen zusätzliche Optionen zu eröffnen, bietet Erasmus, eine Einrichtung der Freien Universität Berlin, die Möglichkeit, eine Zeit im Ausland zu verbringen und den Schatz an praktischem Können zu erweitern. Im Mai/Juni hatten wir die Gelegenheit, Jesús aus Granada bei uns zu haben. Die derzeitige Arbeitslosigkeit von jungen Spaniern beider Geschlechts liegt in ihrem Land bei über 50% !!! Kein Wunder, dass ungebundene junge Leute ihre Fühler auch auf andere Länder ausstrecken und sich mental sogar mit dem Verlassen ihrer Heimat beschäftigen, um ihren Lebensunterhalt erarbeiten zu können. Für beide Seiten war das Praktikum erfrischend lehrreich. Jesús, der außer seiner Muttersprache nur englisch und sehr wenig deutsch spricht, veranlasste unser Team, sich an einst erworbene Englisch-Schulkenntnisse zu erinnern und anzuwenden. Fachliche Erfahrungen wurden ausgetauscht und nicht zuletzt freundschaftliche Verbindungen geknüpft. So wie der junge Andalusier die Chance hatte, mal „über den Zaun zu gucken“, so gegenseitig wirkte das sich auch für unsere Mitarbeiter aus.

Was bleibt, ist die Erinnerung an einen angenehmen und lernwilligen Europäer aus der iberischen Halbinsel und, dass eben nicht alle Ausländer faul und schmarotzend sind! WhatsApp tut das Seinige....

 

Fragen zu Praktikumsplätzen oder Lehrausbildungen bitte telefonisch zunächst mit Frau Kochan oder Stach abklären: (030) 541 80 00

   

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